BioWare wird geschlossen: Abschied von einem Studio mit Herz

BioWare wird geschlossen: Abschied von einem Studio mit Herz

sebdenkt: BioWare wird geschlossen, ein Nachruf mit Herzschmerz

Ich sitze hier und starre auf einen Post, der eigentlich nur ein paar Sätze lang ist, und trotzdem fühlt es sich an, als würde gerade ein Stück meiner eigenen Spielegeschichte zusammengefaltet und in einen Umzugskarton gelegt. Die BioWare Schließung ist seit dem 21. Oktober 2026 keine Befürchtung mehr, sondern Fakt. Electronic Arts hat in einem internen Memo, verfasst von Chief Studios Officer Cam Weber und COO David Tinson, bestätigt, dass BioWare geschlossen wird, und BioWare selbst hat das über die offiziellen Kanäle öffentlich gemacht, mit Worten, die nach über drei Jahrzehnten gemeinsamer Abenteuer einen Schlussstrich ziehen.

Ich will hier nicht larmoyant werden (auch wenn mir das bei diesem Thema verdammt schwerfällt), sondern erst einmal sauber einordnen, was tatsächlich passiert ist, bevor ich mich der Wehmut hingebe, die seit gestern in mir brodelt wie ein zu lange gekochter Kaffee.

Was wirklich geschlossen wird: Fakten zur BioWare Schließung

Konkret betroffen ist der Standort Edmonton in Kanada, jenes Studio, in dem BioWare einst gegründet wurde und das über Jahrzehnte das kreative Herzstück der Marke war. Dieser Standort wird laut EA geschlossen. Gleichzeitig wird die frühe Entwicklung am nächsten Mass-Effect-Projekt eingestellt, ein Vorhaben, an dem laut EA nur noch ein kleines Team gearbeitet hatte. Die Formulierung aus dem internen Memo ist eindeutig: Man habe sich entschieden, diese Entwicklung nicht fortzusetzen, was die Schließung des Studios bedeute.

Die Schließung ist Teil einer größeren konzernweiten Restrukturierung, bei der EA rund 400 Stellen streicht, etwa 3 Prozent der globalen Belegschaft. Davon entfallen rund 50 Stellen direkt auf BioWare. Das sind Menschen, die gestern noch an Charakterbögen, Dialogsystemen oder Welten gebastelt haben, die wir nie zu Gesicht bekommen werden. Mich macht das wütend, und ich finde, das darf man auch sagen, ohne gleich ins Lamentieren über die Spieleindustrie im Allgemeinen abzudriften.

Was bleibt: SWTOR und die unbeantworteten Fragen

Nicht alles bei BioWare verschwindet sofort im Nebel. Star Wars: The Old Republic, das große Onlinerollenspiel, wird weiterhin betrieben und bekommt laut Berichterstattung auch künftig Updates, allerdings nicht mehr von BioWare selbst, sondern vom externen Studio Broadsword. Das ist tröstlich und gleichzeitig ein bisschen traurig zugleich, so wie wenn man hört, dass die Wohnung der Großeltern zwar nicht abgerissen wird, aber eben auch nicht mehr von der Familie bewohnt ist.

Ein Bloomberg-Bericht bringt zudem die schwachen Verkaufszahlen von Dragon Age: The Veilguard mit früheren Einsparungen beim Studio in Verbindung. Das ist, Stand jetzt, eine kolportierte Einordnung und kein offiziell bestätigter Kausalzusammenhang, deshalb will ich das hier auch nicht als gesicherte Tatsache verkaufen. Was ich aber sagen kann: Veilguard hat mich nicht mit derselben Wucht gepackt wie frühere BioWare-Spiele, und vielleicht war das ein Vorbote, den wir alle nicht laut aussprechen wollten.

Ein Megakonzern im Privatbesitz, die erste große Zäsur

Interessant, fast zynisch interessant, ist der Kontext dieser Entscheidung. EA hatte im August 2026 seine Übernahme durch eine Investorengruppe um den Public Investment Fund abgeschlossen und ist seither ein Unternehmen in Privatbesitz. Die BioWare Schließung gilt als erste große strukturelle Maßnahme seit diesem Eigentümerwechsel. Laut einem von Bloomberg eingesehenen Mitarbeiterschreiben fließt der Großteil künftiger Investitionen in Sporttitel, in Apex Legends, ins Battlefront-Franchise sowie in neue Star-Wars- und Iron-Man-Spiele. Ich maße mir kein abschließendes Urteil über die Konzernstrategie an, aber ein Studio, das Welten mit Herzblut gebaut hat, gegen weitere Lizenzprodukte einzutauschen, fühlt sich für mich nicht nach Fortschritt an, sondern nach Buchhaltung mit Lizenzlogo.

Knights of the Old Republic, als BioWare mir Star Wars neu erklärte

Jetzt aber zu dem Teil, der mir eigentlich wichtiger ist als jede Pressemitteilung. Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, als ich zum ersten Mal durch die Korridore der Ebon Hawk gelaufen bin und merkte, dass dieses Star-Wars-Spiel keine bloßer Fan-Service war, sondern eine eigenständige, erwachsene Geschichte mit moralischen Grauzonen, die das Lucas-Universum bis dahin kaum zugelassen hatte. Knights of the Old Republic war der Moment, in dem BioWare mir bewies, dass man eine riesige, geliebte Lizenz respektvoll behandeln und gleichzeitig radikal eigene Ideen reinschreiben kann (VORSICHT, SPOILER!) jener Twist um die eigene Identität der Hauptfigur hat mich damals buchstäblich aus dem Sessel gerissen, und ich glaube, so ein erzählerisches Risiko würde sich heute kaum noch ein großes Studio trauen.

Was danach kam, mit weiteren Star-Wars-Ausflügen und Mitwirkung an Projekten im selben Universum, hat nie ganz an diese erste Wucht herangereicht, aber der Grundstein war gelegt: BioWare konnte Lizenzarbeit leisten, ohne die eigene erzählerische Handschrift zu verlieren. Das ist eine Kunst, die seltener geworden ist, als mir lieb ist.

Dragon Age: Origins, die Geburtsstunde einer eigenen Mythologie

Wenn Knights of the Old Republic gezeigt hat, dass BioWare mit fremden Welten umgehen kann, dann hat Dragon Age: Origins bewiesen, dass sie auch eine komplett eigene aus dem Nichts erschaffen können, mit Tiefe, mit politischem Gewicht, mit einer Grausamkeit, die nie reiner Selbstzweck war. Ich erinnere mich an den Einstieg in Ostagar und an dieses beklemmende Gefühl, dass hier etwas Großes zerbricht, noch bevor man als Spieler überhaupt richtig angekommen ist. Diese Fähigkeit, in den ersten Spielstunden emotionale Fundamente zu legen, auf denen man dann zig Stunden weiterbauen kann, war eine Spezialität dieses Studios. Origins war fordernd, manchmal sperrig, nie bequem, und genau das hat mich damals so begeistert. Es war ein Rollenspiel, das seinem Publikum zutraute, mit Komplexität umzugehen, statt alles vorzukauen. Diese Haltung, dem Publikum etwas zuzutrauen, vermisse ich in vielen aktuellen Großproduktionen schmerzlich.

Anthem, die große Hoffnung, die sich selbst zerlegt hat

Und dann kam Anthem, und ich muss ehrlich zugeben, ich habe damals mitgefiebert wie bei kaum einem anderen Projekt. Ein BioWare-Loot-Shooter mit Iron-Man-artigen Anzügen, geschrieben von einem Studio, das Charaktere und Welten konnte wie kein zweites, das klang nach einer Formel, die eigentlich nicht scheitern durfte. Die Vorfreude in den Foren, die Previews, die Diskussionen über die Flugmechanik, das alles hatte diese besondere Energie, die sich einstellt, wenn eine ganze Community gemeinsam hofft. Wie das ausgegangen ist, wissen wir alle. Anthem konnte die eigenen Versprechen nicht einlösen, die Server wurden bereits Anfang 2026 endgültig abgeschaltet, ein Vorgang, der schon länger zurückliegt und unabhängig von der jetzigen Studioschließung ist. Trotzdem fühlt sich diese Abschaltung im Rückblick wie ein früher Riss an, durch den später viel mehr ausgelaufen ist, als man damals ahnen wollte. Ich sage das ohne jede Häme, eher mit diesem speziellen Bauchschmerz, den man empfindet, wenn man jemanden scheitern sieht, dem man eigentlich alles gegönnt hätte.

Fazit: Die BioWare Schließung ist mehr als eine Randnotiz

Am Ende bleibt bei mir dieses zwiespältige Gefühl, das man hat, wenn etwas Vertrautes endgültig verschwindet, obwohl man im Grunde schon lange geahnt hat, dass es passieren könnte. Die BioWare Schließung beendet nicht nur ein paar Arbeitsverhältnisse und ein frühes Mass-Effect-Projekt, sie beendet auch ein Kapitel, in dem ein Studio mir beigebracht hat, dass Videospiele mehr sein können als Mechaniken und Umsatzzahlen. Knights of the Old Republic, Dragon Age: Origins, selbst das gescheiterte Anthem, das alles hat mich etwas gelehrt, über Entscheidungen, über Konsequenzen, über die Fallhöhe großer Ambitionen. Ich bin niemand, der jetzt Verschwörungen witterte oder Konzernlenker verteufeln möchte, aber ich darf wohl festhalten, dass mit BioWare ein Stück Branchen-Idealismus verschwindet, das man so schnell nicht ersetzen wird.

Danke für drei Jahrzehnte, BioWare, auch für die holprigen Jahre. Ihr habt mir gezeigt, wie viel Herz in einem Rollenspiel stecken kann, und dafür bleibe ich dankbar, auch wenn der Abspann jetzt endgültig läuft.

Bildnachweis Titelbild: BioWare (Logo)