Angezockt: WoW Forever Beta weckt alte Heldengefühle

Angezockt: WoW Forever Beta weckt alte Heldengefühle

Angezockt: WoW Forever Beta

Ich geb’s zu: Als die Einladung zur WoW Forever Beta in meinem Postfach landete, hab ich kurz innegehalten. Dieses kleine Kribbeln im Bauch, das ich zuletzt hatte, als ich zum allerersten Mal meinen Human Rogue durch die Startgebiete gelenkt habe. Seit dem 17. September läuft die Beta nun, mittlerweile in Phase 2, und zwar bis zum 22. Oktober, bevor dann Release am 4. November ansteht, bei uns in Europa in der Nacht auf den 5. November um 0 Uhr. Das ist kein Test, dafür ist die Phase viel zu kurz und zu unfertig, sondern ein ehrlicher Zwischenstand: Was kann man gerade anfassen, was lohnt den Blick, und wie fühlt sich das Ganze für jemanden an, der WoW seit der Classic-Ära mit wechselnder Hingabe begleitet.

Vorab die Erwartungshaltung: Wer ein fertiges Produkt sucht, ist hier falsch. Wer aber wie ich Lust hat, in aller Ruhe durch die ersten Levelstufen zu bummeln und zu schauen, wie Blizzard diesen Neuanfang anpackt, der kriegt gerade ziemlich viel geboten für eine Beta. Und ja, ich hab direkt einen neuen Charakter hochgezogen, obwohl ich wusste, dass der vor dem Launch wieder gelöscht wird. Manchmal ist der Weg eben das Ziel, auch wenn man weiß, dass man am Ende wieder bei null anfängt.

Levelcap und Fortschritt: Erstmal klein anfangen

Seit dem 1. Oktober liegt das Levelcap bei 30, nachdem es zuvor bei 20 lag. Mit Phase 2 kamen zusätzliche Talentpunkte sowie neue Zonen für die Stufen 20 bis 30 dazu, etwa Hillsbrad Foothills und Wetlands. Das klingt erstmal nach wenig, aber genau das macht für mich den Charme aus: Man hechtet nicht sofort ins Endgame, sondern darf sich wieder Zeit lassen mit den frühen Gebieten, die ich ehrlich gesagt jahrelang nur noch im Sprint durchquert habe, weil Erfahrungspunkte-Boni und Startgebiet-Überspringen zum Standard wurden. Hier ist das anders. Ich hab tatsächlich wieder in Ruhe Fragen gelesen, NPCs zugehört und mich über jedes Levelup gefreut wie ein Anfänger (was ich im Grunde ja auch wieder war, zumindest auf diesem frischen Server).

Skyborne: Die neue Rasse mit Haken

Eine waschechte Neuerung ist die Rasse Skyborne, beheimatet auf Zephyrs Isle. Der Haken dabei: Spielbar ist sie offenbar nur für alle, die eines der entsprechenden Bundles besitzen. Das ist einerseits nachvollziehbar, weil Entwicklung nun mal Geld kostet, andererseits schmeckt mir dieser Zugang zu neuen Inhalten über den Geldbeutel nie so ganz. Ich hab mir die Skyborne bislang nur aus der Ferne angeschaut, aber allein das Design macht neugierig auf mehr, dazu will ich aber noch nichts Verbindliches sagen, bevor ich sie nicht selbst durch die ersten Quests gescheucht habe.

Neue Dungeons: Hall of Thanes, Ruins of Lordaeron und die Excavation Site

Für Gruppenspiel gibt’s bereits mehrere neue Dungeons zu entdecken. Hall of Thanes ist für Charaktere der Stufen 13 bis 18 gedacht, Ruins of Lordaeron für die Stufen 15 bis 20. Mit Phase 2 kam außerdem ein neuer Außen-Dungeon dazu, die Excavation Site: Wetlands, empfohlen für die Stufen 24 bis 29. Alle drei hab ich kurz angespielt, mehr als ein, zwei Durchläufe waren in der knappen Beta-Zeit aber nicht drin. Was mir positiv aufgefallen ist: Das Tempo und die Encounter-Struktur wirken zugänglich, ohne dabei komplett anspruchslos zu sein, genau die Mischung, die frühe Dungeons meiner Meinung nach brauchen, um neue und wiederkehrende Spieler gleichermaßen bei Laune zu halten. Der Dalaran-Dungeon, der ebenfalls im Gespräch ist, soll übrigens erst mit einem späteren Beta-Update folgen.

Völker und Klassen: Volle Auswahl, laut GameStar

Laut einem Bericht von GameStar sollen in WoW Forever grundsätzlich alle Völker und Klassen spielbar sein. Ich formuliere das bewusst vorsichtig, weil ich es in der Beta nicht lückenlos selbst durchgetestet habe, aber mein Eindruck beim Stöbern durch die Charaktererstellung deckt sich mit dieser Aussage: Die Auswahl wirkte beim ersten Blick erfreulich vollständig, vom Warrior über den Paladin, Hunter, Priest, Mage und Warlock bis hin zu Druid, Shaman und natürlich dem Rogue, mit dem ich damals selbst angefangen habe. Für mich persönlich ein Pluspunkt, weil ich nie verstanden habe, warum man bei Neuanfängen manchmal künstlich Inhalte beschneidet, nur um sie später scheibchenweise nachzureichen.

Was noch kommen soll

Laut den bisher kommunizierten Plänen sollen im Laufe der Beta und darüber hinaus weitere Zonen und zusätzliche Dungeons folgen, darunter wie erwähnt der Dalaran-Dungeon zu einem späteren Zeitpunkt. Ein neues Schlachtfeld wurde bislang nicht offiziell bestätigt, hier würde ich also noch nichts versprechen. Auch der sogenannte Server Slam geistert weiter durch die Ankündigungen. Was genau sich dahinter im Detail verbirgt, würde ich an dieser Stelle nicht überinterpretieren wollen, der Name allein macht aber schon neugierig auf irgendeine Form von Massenandrang oder Community-Event. Ich bleib dran und werde berichten, sobald mehr davon tatsächlich spielbar ist.

Zugang zur Beta: Kein Abo, aber auch kein Selbstläufer

Wer reinschnuppern will, braucht aktuell entweder eine Anmeldung samt etwas Losglück, da die Einladungen offenbar zufällig verteilt werden, oder greift zu einem der Bundles, die direkten Zugang gewähren. Ein Abo ist für die Beta nicht nötig, was ich fair finde für eine Testphase. Ich selbst bin über die reguläre Anmeldung reingerutscht und hab mich gefühlt wie bei einer Tombola, bei der man tatsächlich mal gewinnt (was bei mir eher selten vorkommt, siehe meine Erfolgsquote bei Supermarkt-Gewinnspielen).

Charlöschung vor Launch: Der Reset als Neuanfang

Ein Punkt, den man unbedingt wissen sollte, bevor man zu viel Herzblut investiert: Alle Beta-Charaktere werden vor dem eigentlichen Launch gelöscht. Das ist bei Betas zwar Standard, fühlt sich aber trotzdem jedes Mal ein bisschen bitter an, wenn man gerade erst eine kleine Bindung zu seinem frisch erstellten Helden aufgebaut hat. Ich hab meinen Charakter trotzdem nicht geschont, sondern einfach genossen, wofür er da ist: zum Ausprobieren, nicht zum Horten.

Mein Bauchgefühl: Dieses Neuanfangsgefühl ist echt

Was mich an dieser Beta bisher am meisten gepackt hat, ist schwer in Prozentzahlen oder Balance-Werten zu fassen. Es ist dieses diffuse, warme Gefühl, wieder ganz am Anfang einer Heldenreise zu stehen, ohne das Gewicht von zwanzig Jahren Accountgeschichte und Itemstufen im Nacken. Für mich fühlte sich das an wie eine Wiederbegegnung mit einem alten Freund, bei dem man nach Jahren merkt, dass die Chemie immer noch stimmt. Klar, es ist nur Beta, vieles kann sich bis zum Launch noch ändern, und manches wird sicher noch angepasst. Aber dieses leise Herzklopfen beim ersten Betreten der Startzone, das war echt, und das nehme ich der Beta gerne ab.

Fazit

WoW Forever steckt aktuell noch mitten im Beta-Stadium, mit Levelcap 30, ausgewählten neuen Inhalten und der klaren Ansage, dass der Fortschritt nicht in den Launch mitgenommen wird. Trotzdem oder gerade deswegen hat mich diese kurze Zeit in Azeroth 2.0 (mein inoffizieller Spitzname dafür, nagelt mich nicht drauf fest) mehr gepackt, als ich erwartet hatte. Die neuen Dungeons machen Spaß, die Skyborne wecken Neugier, und die Aussicht auf eine möglichst vollständige Völker- und Klassenauswahl stimmt mich optimistisch für den Start im November. Ich werde definitiv wieder reinschauen, sobald sich an den Inhalten etwas tut, und sei es nur, um noch einmal dieses Gefühl von ganz vorne zu spüren, bevor der echte Charakter dann für immer bleibt.

Bis dahin: Wir sehen uns in Azeroth, Abenteurer.