Angezockt: The Witcher 3 Remastered holt Geralt ins Heute

Angezockt: The Witcher 3 Remastered holt Geralt ins Heute

Angezockt: The Witcher 3 Wild Hunt Remastered

Ich geb es zu: Ich habe gezögert, bevor ich Roach wieder gesattelt habe. Drei Mal Geralt von Riva durch Velen reiten, drei Mal Blut, Schlamm und Monsterkadaver, kann man das noch mal frisch empfinden? Kurze Antwort nach einigen Stunden mit The Witcher 3: Wild Hunt Remastered auf der PS5: ja, verdammt noch mal, kann man. Seit dem 29. September 2026 ist die Neuauflage für PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S und erstmals nativ für Nintendo Switch 2 erhältlich, kein Preview-Build, kein Early-Access-Schnipsel, sondern das fertige Produkt, das gerade in unzähligen Wohnzimmern läuft.

Das Schönste daran: Wer das Original bereits besitzt, bekommt das Remastered auf PC, PS5 und Xbox als kostenloses Update, und CD PROJEKT RED hat obendrauf noch die beiden Erweiterungen Hearts of Stone und Blood and Wine für Bestandsbesitzer kostenlos freigeschaltet. Switch-Spieler mit der Originalfassung wiederum dürfen kostenlos auf die native Switch-2-Version upgraden. Das ist keine Randnotiz, das ist eine Geste, die man in dieser Großzügigkeit selten sieht, und ich nehme den Hut ab, auch wenn ich weiß, dass sich das Studio damit natürlich auch die Treue der Community sichert.

Also habe ich mich eingeloggt, meinen alten Spielstand importiert (ja, das geht, und ja, es hat beim ersten Versuch tatsächlich sofort funktioniert, kleines Wunder der Technik) und bin direkt wieder mittendrin gelandet. Was mir als Erstes aufgefallen ist? Dieses Spiel sieht aus, als hätte es nie zehn Jahre auf dem Buckel gehabt.

Grafik: Velen glänzt wie nie zuvor

Die überarbeiteten Texturen für Umgebung, NPCs und Monster sind kein Marketing-Versprechen, sondern sofort sichtbar, sobald man aus der ersten Taverne tritt. Die Vegetation wirkt dichter, lebendiger, fast schon aufdringlich schön, und das überarbeitete Lichtsystem samt Raytracing lässt Sonnenuntergänge über den Sümpfen so golden glühen, dass ich tatsächlich zweimal angehalten habe, nur um Screenshots zu schießen (der erweiterte Fotomodus hat dabei ordentlich mitgeholfen, Hut ab). Auf der PS5 läuft das Ganze dabei so geschmeidig, dass man die Technik schnell vergisst und einfach nur im Spiel versinkt, genau das, was man von einem Remaster erwartet. Path Tracing bleibt zwar PC-Spielern vorbehalten, und auf PS5 Pro soll es laut Pressematerial mit PSSR sogar bis zu 60 fps mit Raytracing geben, aber schon die reguläre PS5-Fassung wirkt wie ein ordentlicher Technik-Sprung, nicht wie ein Texturpflaster.

Kampfsystem: Geralt schlägt zu wie nie

Hier liegt für mich der eigentliche Clou der ganzen Remastered-Aktion. Das Kampfsystem wurde spürbar überarbeitet, neue Animationen, brutalere Finisher und eine adaptive Kamera sorgen dafür, dass sich jeder Schwerthieb wuchtiger anfühlt als im Original. Ich habe eine Gruppe Ertrunkener aus einem Hinterhalt heraus zerlegt und mich dabei ertappt, wie ich laut „Oh!“ gerufen habe, als ein Finisher eine Kreatur regelrecht zerfetzt hat (meine Nachbarn werden begeistert sein). Auch das Verhalten von Gegnern wie Wölfen oder eben jenen Ertrunkenen wurde angepasst, Kämpfe fühlen sich weniger wie Abarbeiten von Mustern an und mehr wie echte Konfrontationen. Dazu kommen neue Effekte für alle fünf Zeichen, Aard, Igni, Yrden, Quen und Axii wirken optisch kräftiger und, so mein Eindruck nach den ersten Stunden, auch spielerisch präsenter im Kampfgeschehen.

Skilltree und Hexersinne: Neu gedacht, nicht neu lackiert

Der komplett neu aufgebaute Skilltree ist eine der Änderungen, die mich am meisten überrascht haben. Statt der alten, etwas sperrigen Struktur gibt es jetzt Entscheidungen, die sich tatsächlich nach Entscheidungen anfühlen, und ich habe mehr Zeit im Menü verbracht als geplant, einfach weil ich verschiedene Builds durchgespielt habe im Kopf (die ich dann doch nicht alle gleichzeitig umsetzen konnte, leider). Auch die Hexersinne wurden überarbeitet, neue Hinweise findet man jetzt nur noch, wenn man sich wirklich auf die richtigen Elemente konzentriert, was Spursuche weniger zum automatischen Abhaken macht und mehr zur kleinen Detektivarbeit, die sie ursprünglich mal sein sollte. Dazu kommt Transmog, mit dem man endlich gutes Aussehen und gute Werte trennen kann, eine Funktion, auf die vermutlich halb die Community seit Jahren gewartet hat (ich zähle mich dazu).

Komfort und Zugänglichkeit: Kleine Dinge, große Wirkung

Überarbeitete Menüs und Quest-Benachrichtigungen klingen nach Kleinkram, machen im Alltag aber einen spürbaren Unterschied, man verliert sich seltener im Questlog-Dschungel. Mit Bard’s Ballad gibt es zudem eine Barrierefreiheitsfunktion, etwa automatische Selbstheilung, die das Spiel für mehr Menschen zugänglich macht, ohne dass sich jemand, der sie nicht braucht, davon gestört fühlen müsste. Die mod.io-Integration für plattformübergreifende Mods ist ebenfalls ein Statement, gerade weil laut Pressematerial sogar ausgewählte Mitglieder der Modding-Community an der Entwicklung beteiligt waren, zusammen mit CD PROJEKT RED und Yigsoft. Das ist eine Geste, die zeigt, dass man die eigene Fanbasis nicht nur als Käuferschaft, sondern als kreative Partner begreift.

Switch 2: Hexer in der Hosentasche

Auch wenn ich selbst auf der PS5 unterwegs war, verdient die native Switch-2-Version eine Erwähnung, allein weil sie zeigt, wie ernst man das Remastered auf allen Plattformen nimmt. Bewegungssteuerung für Zeichen, Armbrust, Bomben und Tränke, dazu Gyro-Zielen, ein Maus-Modus und Touchscreen-Bedienung, das klingt nach einer Fassung, die nicht einfach nur portiert, sondern wirklich für die neue Hardware gedacht wurde. Für mich persönlich bleibt das Spiel auf dem großen Screen mit Pad das Erlebnis der Wahl, aber ich kann mir gut vorstellen, wie befreiend es sein muss, Velen auch unterwegs zu durchstreifen.

Songs of the Past: Der Blick nach vorn

Während Wild Hunt Remastered bereits vollständig im Handel steht, bleibt die dritte Erweiterung Songs of the Past vorerst ein Versprechen für 2027, mit Geralt und Dandelion in der neuen Region Letten, neuer Hauptgeschichte, neuen Nebenquests, Charakteren, Monstern und frischen Gwent-Karten. Ein konkretes Datum innerhalb des Jahres gibt es noch nicht, und genau das macht mich fast noch neugieriger. Wenn das neue Kampfsystem und der überarbeitete Skilltree schon jetzt so viel Spaß machen, wie wird sich das erst anfühlen, sobald komplett neue Storyinhalte darauf aufbauen? Ich merke, wie ich innerlich schon Notizen für meine Gwent-Deck-Strategien mache, obwohl die Erweiterung noch nicht mal ein Releasefenster hat (Fan-Hirn eben, lässt sich nicht abschalten).

Fazit

The Witcher 3: Wild Hunt Remastered ist für mich der seltene Fall eines Remasters, das sich nicht wie ein nachträglicher Politur-Auftrag anfühlt, sondern wie eine ernsthafte, liebevolle Überarbeitung mit Substanz. Grafik, Kampfsystem und Skilltree wurden nicht nur aufgehübscht, sondern spürbar weiterentwickelt, und genau das hat mich nach Jahren der Witcher-Abstinenz sofort wieder gepackt. Klar, im Kern bleibt es dasselbe große, melancholische Abenteuer um Geralt, Ciri und den Wilden Jagd, aber mit frischen Muskeln unter der alten Haut. Für mich bleibt jetzt nur eine Frage offen, und die betrifft 2027: Wie gut wird sich Songs of the Past in dieses runderneuerte Fundament einfügen? Ich bin dran, so viel steht fest.

Bildnachweis Titelbild: CD PROJEKT RED